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Fly & Hike

Wenn du diese Überschrift liest, kommt dir das nicht merkwürdig vor? Wenn ja, dann liegst du richtig, denn es heißt ja eigentlich "Hike and Fly" einfach wegen der Reihenfolge. Erst die Arbeit dann das Vergnügen, so sagt man. Ich habe das mal umgekehrt gemacht und fand das die viel bessere Variante.

Am 8. September 2014 fuhr ich mit dem Auto zum Pilotentreff am Parkplatz, nahm noch ein paar Leute mit und fuhr auf den Hochblauen. Oben angekommen waren, wie so oft in diesem Jahr aber auch passend für diese Jahreszeit, eher schwache Bedigungen. Irgendwann ist dann der Zeitpunkt gekommen an dem es einfach auch nicht mehr besser werden kann, und ich startete ohne mir große Hoffnung auf einen besonderen Flug zu machen. Umso überraschter war ich, als es mit zügigem Steigen dann doch bis auf 1500 Meter hoch ging. Und was sollte ich nun damit Sinnvolles machen?

Richtung Schwarzwald war nicht sinnvoll, denn dann stünde ich vermutlich in Marzell oder im kleinen Wiesental. Es ist zwar nett dort, aber es gibt nicht so viele Autofahrer die einen da mitnehmen. Ich hätte ja auch einfach nur um den Hochblauen rumfliegen können, danach war mir aber auch nicht, denn die Bedingungen waren nicht zuverlässig. Ich hätte auch oben wieder einlanden können, das erschien mir aber auch nicht sinnvoll. Also flog ich los Richtung Süden, also Richtung Kandern. Kandern schreibt ja auch über sich selbst: "Kandern, wir sind der Süden". Cool!!!

Blöd nur, daß es südlich des Hochblauen keine Thermik mehr gab. Weder die sonnenbeschienen Hänge der Ausläufer des Südschwarzwaldes, noch die Anhöhe vom Schloss Bürgeln, noch die Waldränder oder Strassen als vermutete Abrißkanten boten auch nur ein Anzeichen von Aufwind. Zum Zurückfliegen war es längst zu spät, also peilte ich die Wiese direkt hinter meinem Haus am Ortsrand von Kandern an. Im Bild befindet sich dieser entlang der Baumreihe vor den Häusern.

Nach der Landung das Geraffel wieder eingepackt und rundum zufrieden mit dem schönen Flug. Jetzt stand dummerweise mein Auto auf dem Berg, und es war niemand verfügbar, der mich mal schnell hätte hochfahren können. Von Kandern zum Startplatz sind es etwa 10 Kilometer und rund 800 Höhenmeter. Und ich konnte ja auch den unhandlichen Packsack gegen einen kleinen mit ordentlich Essen und Trinken gefüllten Tagesrucksack tauschen. Gedacht, getan. Ich ging nach Hause und tauschte den Packsack gegen einen kleinen Rucksack, nur mit dem Proviant klappte es nicht so recht. Aber wenigstens eine Flasche Mineralwasser war aufzutreiben.

Frisch aufgetankt ging es dann also los Richtung Hochblauen und gleich die erste Steigung war schon ganz knackig, denn ich wollte auch keine Zeit mehr verlieren, um vor Sonnenuntergang oben zu sein. Zwischen Kandern und der Burgruine Sausenburg überholte ich einige Wanderer, die verwundert anhielten, hörten sie schon aus einiger Entfernung hinter sich meine schwere Atmung. Vielleicht haben sie sich auch nur gefragt mit wem ich da spreche, denn schon nach den ersten Metern schwirrten mir diese kleinen Scheissfliegen um die Nase. Und weder mein Gewedel mit den Armen noch Anpusten oder Fluchen halfen, diese Plagegeister loszuwerden. Und dummerweise waren diese Fliegen auch immer ein bisschen schneller als ich.

An der Sausenburg angekommen, machte ich einen kleinen Abstecher auf den Turm und konnte das Panorama und das spätsommerliche Wetter genießen. Ich muss mir merken, daß es auf der Sausenburg auch eine Grillstelle gibt, falls ich diese Tour mal wieder mache und ich früher dran bin. Allerdings ist es nicht ganz ohne, den Turm hoch zu gehen, denn innerhalb des Turms gibt es eine Wendeltreppe aber keinerlei Beleuchtung. Die Augen können sich an die Dunkelheit nicht so schnell anpassen, was beim Hochsteigen nicht so ein Problem darstellt, aber der Abstieg war dann ein regelrechter Blindflug.